Alte Apfelsorten: Kulturgeschichte zum Reinbeißen

31. Juli 2026
Geschrieben von: Mencke Gartencenter

Ihr liebt euren Garten, möchtet etwas für die Artenvielfalt tun – und vielleicht sogar Äpfel essen, die heute kaum noch jemand kennt? Dann seid ihr bei alten Apfelsorten goldrichtig. Sie bringen Geschichte in euren Garten, sorgen für gesunden Genuss, sind insektenfreundlich und oft deutlich robuster als moderne Züchtungen.

Alte Sorten gelten außerdem als allergikerfreundlich, weil viele von ihnen reich an Polyphenolen sind – säuerliche Stoffe, die bei modernen Äpfeln oft zugunsten eines milden und süßen Geschmacks herausgezüchtet wurden. Es macht also Sinn, die vergessenen Sorten neu zu entdecken.

Unser Gartencenter hat eine lange Tradition im Gartenbau und natürlich haben wir unter den alten Sorten unsere Lieblinge, die besonders fürs Bergische Land und die hiesigen Böden geeignet sind. Also schnappt euch eine Tasse Tee und lasst uns gemeinsam in die Welt von sieben herrlichen Sorten eintauchen.

MENCKE Tipp: Die besten alten Apfelsorten fürs Bergische Land

Goldparmäne: Eine Sorte wie ein Besuch bei alten Freunden – intensiv und vertraut.

Die Goldparmäne ist ein bisschen wie die Grande Dame unter den Apfelsorten – mit vielen Namen, einer unklaren Herkunft und unfassbar viel Charme.

Wenn ihr einen Baum möchtet, der geschmacklich etwas Besonderes liefert und euch jedes Jahr aufs Neue überrascht, dann werdet ihr die Goldparmäne lieben.

Sowohl in Frankreich als auch in England galt er als königlicher Apfel.

Kurz & knapp
  • Herkunft: genaue Herkunft unbekannt, vermutlich Frankreich oder England, vor 1700
  • Wuchsform: braucht nährstoffreiche Böden, regelmäßigen Schnitt
  • Blütezeit: mittelfrüh, April bis Mai
  • Reifezeit: Pflückreif Ende September, Genussreif Oktober bis Januar
  • Geschmack: nussig-würzig, aromatisch
  • Haltbarkeit: bis Januar

Gravensteiner: Ein spätsommerlicher Apfel – duftend, saftig und voller Geschichte.

Der Gravensteiner ist nicht nur wunderschön gestreift, sondern auch ein echter Kult-Apfel Nordeuropas und gilt zudem als dänischer Nationalapfel. Sein Name bezieht sich auf das dänische Schloss Gravenstein, in dessen Schlossgärten er kultiviert wurde. Groß, duftend, saftig – und mit einem Aroma, das an Ananas erinnert.

Es gibt sowohl einen gelben als auch eine roten Gravensteiner Apfel. Beide Varianten schmecken fruchtig und frisch. Gravensteiner gedeiht besonders gut in feuchteren Lagen – perfekt also, wenn euer Garten nicht zu trocken ist.

Kurz & knapp
  • Herkunft: vielleicht Italien, bekannt geworden vor allem in Schleswig-Holstein und Dänemark, um 1700
  • Wuchsform: sehr stark wachsend, bevorzugt feuchte Böden
  • Blütezeit: sehr große, schneeweiße, aber witterungsempfindliche Blüte
  • Reifezeit: Anfang September, Genussreife bis Anfang November
  • Geschmack: saftig, würzig, aromatisch
  • Haltbarkeit: 5–6 Wochen, im Lagerkeller länger

Rote Sternrenette: Der perfekte Kinderapfel: klein, kugelrund, superlecker und purpurrot

Die Klasse der Renetten ist besonders naturgesund und robust. Die Äpfel sind klein, aber geschmacklich ganz groß.

Die rote Sternrenette wird als klassischer Weihnachtsapfel gefeiert: Perfekt für den Nikolausschuh, als Bratapfel, Kompott mit Zimt und Zucker oder auf dem Plätzchenteller.

Sein fein würziger Geschmack ist einfach unwiderstehlich. Ein Apfel, der im Garten ein Schatz ist, im Supermarkt aber nie Karriere gemacht hat. Genau das macht ihn so besonders.

Kurz & knapp
  • Herkunft: 1820 vermutlich Maastrich
  • Wuchsform: breit-pyramidale bis hochkugelige Krone
  • Blütezeit: April bis Mai, rosa weiße Blüte, lang anhaltend
  • Reifezeit: Pflückreif ab Ende Spetember
  • Geschmack: gelb-rötliches Fruchtfleisch zart süß-Säuerlich
  • Haltbarkeit: bis Januar

Kaiser Wilhelm: Traditionsreicher Apfel mit kräftigem Aroma und echtem Charakter.

Der Apfel Kaiser Wilhelm begeistert mit seinem würzig-säuerlichen Geschmack und seiner robusten Art.

Als alte Sorte steht er für bewährte Qualität, guten Ertrag und vielseitigen Genuss.

Ein toller Apfel für die Süßmostherstellun aber auch für den frischen Verzehr oder zur Lagerung.

Ein Apfel für alle, die Authentizität und Tradition schätzen.

Kurz & knapp
  • Herkunft: 1864 in der Nähe von Solingen gefunden
  • Wuchsform: Charakterbaum mit einer mächtigen, breitpyramidialen Krone
  • Blütezeit: April bis Mai
  • Reifezeit: Ende September bis Mitte Oktober
  • Geschmack: süßsäuerlich
  • Haltbarkeit: bis März

Danziger Kantapfel: Ein robuster Allrounder, der für Anfänger geeignet ist und mit guter Lagerfähigkeit überzeugt

Der Danziger Kantapfel ist ein zuverlässiger Begleiter im Garten – robust, wenig anspruchsvoll und mit einer langen Genusszeit.

Seine Früchte sind glänzend rot, wirken fast wie poliert und sind markant, da sich eine Naht wie ein Grübchen über die Frucht zieht.

Seine rosafarbenen Blüten sind im Frühjahr ein echter Hingucker.

Geschmacklich bildet er eine Balance zwischen süß und säuerlich und aromatisch, was ihn sowohl für den Frischverzehr als auch für die Küche nutzbar macht.

Kurz & knapp
  • Herkunft: Deutschland oder Holland, sehr alte Sorte
  • Wuchsform: anspruchslos, ideal auch für raue Lagen
  • Blütezeit: lang andauernd von April bis Mai, große rosa Blüten, guter Pollenspender
  • Reifezeit: Oktober
  • Geschmack: aromatisch, leichte Säure, feste Schale, oft mit einem angenehmen Rosenapfelaroma
  • Haltbarkeit: bis Januar

Geheimrat Dr. Oldenburg: Ein Gentleman unter den Apfelsorten - zuverlässig, farbenfroh und mit angenehm feinsäuerlichem Biss.

Wenn ihr einen Apfel sucht, der sich schon seit über 100 Jahren bewährt hat, dann ist Geheimrat Dr. Oldenburg genau euer Typ.

Er stammt aus der renommierten Obstbau-Lehranstalt in Geisenheim und wurde bereits 1897 gezüchtet – also lange bevor der Apfelmarkt von modernen Sorten dominiert wurde.

Seine Früchte leuchten im Herbst in warmem Gelb-Rot, sind mildsäuerlich, angenehm saftig und vielseitig in der Küche. Ein echter Allrounder für den Hausgarten!

Kurz & knapp
  • Herkunft: Geisenheim, Deutschland, 1897
  • Wuchsform: jung stark wachsend, später mittelstark; aufrecht mit guter Verzweigung
  • Blütezeit: mittelfrüh, auffallend rote Blütenblätter, wenig empfindlich
  • Reifezeit: Ernte ab September
  • Geschmack: mildsäuerlich, fest, aromatisch; ideal für Frischverzehr und Küche
  • Haltbarkeit: ca. 1–2 Monate, je nach Lager

Dülmener Herbstrosenapfel: Ein duftender Herbstklassiker aus Westfalen - rosig, aromatisch und mit echter Geschichte.

Der Dülmener Herbstrosenapfel ist eine jener Sorten, die schon beim Anschauen ein kleines „Ah!“ auslösen.

Eine rötlich verwaschene Schale, oft fast rosig schimmernd, macht ihn zu einem echten Blickfang im Herbst und erklärt auch seinen Namen: „Herbstrosenapfel“.


Seine frühe Verbreitung im Münsterland und darüber hinaus verdankt er engagierten lokalen Pomologen, Lehrern und Gärtnern, die den Apfel als „neue Sorte“ an den berühmten Apfelforscher Eduard Lucas schickten – mit dem Wunsch, ihn offiziell zu beschreiben und zu benennen.

Heute gilt er als aromatischer, feinwürziger Tafelapfel, der gleichzeitig ein sehr guter Wirtschaftsapfel ist. Ein Apfel, der nach Spätsommer duftet und mit seiner rosigen Schale einfach gute Laune macht.

Fazit: Alte Sorten – neue Lieblinge

Wenn ihr alte Obstsorten pflanzt, holt ihr euch nicht nur leckere Früchte in den Garten, sondern bewahrt auch ein Stück Kulturgeschichte. Jede dieser Sorten hat etwas Eigenes, etwas, das ihr so im Supermarkt nicht wiederfindet.

Sie sind widerstandsfähig, geschmacklich spannend und oft besser verträglich für Allergiker. Und: Ihre Blüten sind insektenfreundlich und tragen so zur Biodiversität bei.

Wenn ihr mögt, kommt vor Ort bei uns im Gartencenter MENCKE vorbei, wir helfen Euch dabei herauszufinden, welche alte Sorten am besten in euren Garten passt – Standort, Boden, Klima… all das spielt ja eine Rolle.

Kommt vorbei – wir freuen uns auf euch!

P.S. Wenn ihr gerade so richtig auf den Geschmack gekommen seid, hier noch ein kleiner Buchtipp “Die alten Obstsorten - Geschichten, Rezepte und Anbautipps” von Sofia Blind ist wirklich sehr schön geschrieben und extrem gut rechcheriert.

Copyright
Fotos von Apfelbäumen © Canva, Historische Zeichnungen: mit Hilfe von KI über Langdoc generiert.
Quellen: Die alten Obstsorten - Geschichten, Rezepte und Anbautipps” von Sofia Blind Dumont Buchverlag
“Altbewährte Apfel- und Birnensorten” vom Obst- und Gartenbauverlag München
“Klassische Obstsorten - Pomologie des pracktischen Obstbaumzüchters” von Nicolas Gaucher
“Beschreibende Sortenliste Kernobst Apfel, Birne” vom Bundessortenamt BSA 2000

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